Verlagsprogramm Bücher

DIE GÖTTLICHE LITURGIE
Priesterbuch (Hieratikon B’)


Chrysostomosliturgie, Basileiosliturgie und Liturgie der Vorgeweihten Gaben.
Mit ausführlichen Rubriken für Priester, Diakon und Altardiener, mit wissenschaftlichem Anhang

Das Werk bietet sämtliche Texte und Rubriken zum Vollzug der Göttlichen Liturgien der orthodoxen Kirche auf deutsch, einschließlich der Vorbereitung der Zelebranten, der Zurüstung, der Bereitung des »Lammes« für die Vesperliturgie und den begleitenden Riten, sowie die vollständigen Abendmahlsgebete. Im wissenschaftlichen Anhang werden liturgiegeschichtliche, philologische, semantische und sprachliche Fragen erläutert. Mehrere schöne Textgrafiken runden das Werk ab.

Dank seiner sprachlichen und ästhetischen Qualität wird dieses Priesterbuch am Altar, im Gottesdienst und in der Studierstube für jeden Gottliebenden, der ein tieferes Verständnis des rechtehrenden christlichen Kultus erlangen möchte, ein nicht nur notwendiger, sondern in jeder Hinsicht lehrreicher und erbaulicher Begleiter sein.

Gesetzt in einer gut lesbaren, klassischen Renaissancefraktur, auf bestem Hadernpapier zweifarbig gedruckt und in Bibliotheksleinen gebunden, dem derzeit – nach Echtleder – mit Abstand haltbarsten und dauerhaftesten Einbandmaterial überhaupt. Hadernpapier wird aus Baumwoll- und Leinenfasern gefertigt und ist ebenfalls äußerst dauerhaft und abriebfest; es wurde bis ins 18. Jh. allgemein verwendet. Für den schmalen Geldbeutel ist eine Studienausgabe in englischer Broschur vorgesehen.

Für Liebhaber haben wir einige Exemplare in Allgäuer Rindsleder fertigen lassen, die man schon wegen der Haptik kaum aus der Hand geben mag (s. Abbildung).

➥ Hier können Sie eine PDF - Datei einzelner Doppelseiten des Priesterbuches anklicken. Leider ist da der Buchsatz nicht erkennbar. Die Proportion der Buchseiten entspricht einer aiolischen Sexte; der Textblock ist proportionsgleich nach dem Villard’schen Teilungskanon eingefügt. Das Buch als Ganzes hat dann die Proportion der Quinte.

Liturgie und Sprachkultur

Orthodoxe Liturgie ist Kultmysterium, Teilhabe am lebendigen Gott und am ewigen Gesang der Engel, Mystagogie, verdichtetes gottmenschliches Leben, Theologie, Anthropologie und Mystik. Das Mysterium gottmenschlichen Lebens überschreitet alle menschliche Begrifflichkeit, weshalb es angemessen nur im rechtehrenden Kult, in Riten, Bildern und Symbolen, sich mitteilt. Alle menschlichen Kräfte und Fähigkeiten, zuvörderst die geistigen, werden angesprochen; der ganze Mensch, Geist, Seele und Leib erhoben. Das harmonische Zusammenspiel von Architektur, Ikonographie, Choreographie, Gesang und Gebet trägt die heiligen Vollzüge, in denen das Mysterium geschieht – wobei jeder Widerstreit, jede Schere zwischen „Form“ und „Inhalt“ störend, mitunter zerstörend wirkt. Notwendige Voraussetzung jedes wirkmächtigen liturgischen Geschehens ist Wahrheit, was man auch „Verankerung in der Ewigkeit“ nennen könnte; Schönheit und Erhabenheit sind Kennzeichen seiner echten –rechtehrenden– Gestalt.

So sehr Liturgie aus Gründen quillt, die jenseits des rationaliter Faßbaren liegen, so sehr ist sie doch auf Verstehen angewiesen; eines, welches tiefer gründet als abstrakter Hirnverstand. Liturgie öffnet sich im lauschenden und schauenden Mitvollzug, sie ist nicht Schaustück, sondern Beziehungs- und Wandlungsgeschehen. Die Geistige Vernunft, das Verstehen des Herzens, greift nicht kürzer, sondern weiter als fleischliche Vernunft. Und beide stehen mitnichten im Widerstreit, sind vielmehr unterschiedliche und einander ergänzende Weisen des Vernehmens. Wer nun behauptet, daß Verstehen dem Mysterium abträglich sei, weshalb eine Fremdsprache zur Liturgie besser tauge als die eigene, sitzt einem fatalem Fehlurteil über das Wesen des Mysteriums auf, nicht weniger als jener, der es mit bloß irdischem Verstande beherrschen, und Gebet und Kult durch rationales »Denken« und Moralität ersetzen zu können glaubt.

Die Art und Weise, wie wir Liturgie erleben, streng genommen sogar ihre Wirkmächtigkeit, wird wesentlich durch die Sprache, genauerhin ihre Kultur oder Unkultur, beeinflußt. Ihre semantische Seite – Wortwahl, Klarheit, Stimmigkeit des Ausdrucks, inhaltliche Anklänge, mitschwingende Erinnerungen etc. – ist verantwortlich für die inhaltliche Tiefe (oder Untiefe) des Geschehens; ihre poetisch-musikalische Seite – die Wirkungen der Klangfarben und Rhythmen – prägt die Stimmung, giebt dem Ganzen Farbe, Anmutung und Gestalt. In Werbung und Politik wird Sprache sehr gezielt eingesetzt, um die erwünschten Wirkungen zu erreichen; keineswegs immer zum Wohle des Menschen. Wieviel notwendiger ist es im Bereich des Heiligen, da es um Wahrheit geht, um die ewigen Dinge und das Mysterium gottmenschlichen Lebens, unsere Sprache in ihrer ganzen Weite, Kraft und Tiefe, in ihrer unverkürzten und unverfälschten Schönheit und Kraft zu verwenden. Mithilfe sprachlicher Feinheiten können Wirklichkeit und Sinnzusammenhänge angedeutet, erschlossen, verdeutlicht und zugänglich gemacht werden; umgekehrt kann mit den gleichen Mitteln Wirklichkeit oder Sinn vernebelt, verunklart, verfälscht, kann schlimmstenfalls gelogen und manipuliert werden. Und nicht zuletzt kann trotz besten Willens und ohne böse Absicht Sinn verfremdet und schlimmstenfalls verfehlt werden, wofern man sich über die Zusammenhänge nicht im Klaren und fahrlässig im Umgang mit Sprache ist.

Man täusche sich nicht darüber hinweg, daß die Forderung, liturgische Sprache müsse „einfach und allgemeinverständlich“ sein, zwar richtig ist, aber oft dazu führt, daß das Heilige herabgezogen und profaniert – also seines geistigen Wesenskernes beraubt wird. Als besonders problematisch erweisen sich solch abstrakte Forderungen wie die, jeweils ein griechisches Wort immer mit demselben deutschen Wort zu übertragen, um angeblich größtmögliche Nähe zum Urtext zu gewährleisten. Tatsächlich wird dadurch der „Urtext“ kastriert und die Tatsache ausgeblendet, daß sowohl im Deutschen als auch im klassischen und frühmittelalterlichen Griechischen Wörter sich semantisch überschneiden, daß zumal in liturgischen, geistigen und poetischen Texten bestimmte Kernbegriffe in verschiedenen und teils besonderen, nur hier in Frage kommenden Bedeutungen eingesetzt werden und eine sehr viel differenziertere Herangehensweise bei der Übertragung erheischen. Viele Wörter gewinnen erst durch ihren Ort und im Zusammenhang ihren je weiteren oder schärfer umgrenzten Sinngehalt. Auch sollte man, bei aller poetischer Freiheit, Grammatik und linguistischen Code des Deutschen berücksichtigen. Zur Übersetzung heiliger Texte bedarf es, neben den selbstverständlichen philologischen und theologischen Voraussetzungen, eines ausgeprägten, dichterischen Sprachempfindens und … tiefer Liebe zum Deutschen.

In der geheimnisvollen Polarität von Zeit und Ewigkeit tritt das nicht zeitbedingte Ewige, treten die ewigen Gründe und Strukturen des Lebens samt den Wegen ihrer Wahrnehmung, des Aufstieges zu Gott, bis zur Vergottung des Menschen, hervor und bildet heilige Gestalten. Sakrale Sprache darf weder unverständlich sein (das wäre billiger Mystizismus), noch darf sie sich dem alltäglichen Sprachgebrauche anbiedern und dem Niederen oder auch nur Gemeinen Vorschub leisten. Sie soll klar und einprägsam, aber nicht wohlfeil, vielmehr dem heiligen Geschehen angemessen sein; sie soll ansprechen, sammeln, erwecken und erheben; sie soll durchdringen ohne aufdringlich zu wirken. Als gelungen darf man sie bezeichnen, wenn sie – bei größter Treue zum Gegebenen – gut über die Lippen und zu Herzen geht, und dabei im Sinne des theourgischen und mystagogischen Geschehens wirkmächtig ist.

Die rechtehrende (orthodoxe) Kirche hat im Bereich des Kultus, der Geistigkeit, des Gottes- und Menschenbildes (Theologie und Anthropologie) vieles bewahrt, was anderswo im Laufe der Geschichte verloren, mitunter entwertet oder verfälscht erscheint. Weit entfernt davon, sich in „orientalisch blumiger Ausdrucksweise“ zu verlieren – was nichts als ein zweckdienliches Vorurteil ihrer Gegner ist – bildet die orthodoxe liturgische Poesie mit der Sprache der Theologie, Philosophie, Anthropologie und Spiritualität eine untrennbare Einheit. Dabei ist sie in den entscheidenden Dingen von bewundernswerter begrifflicher Klarheit und Präzision, ohne der Versuchung der Abstraktion zu erliegen. Daß sie nicht trotzdem, sondern gerade deswegen Poesie ist, wird jedem, der ein tieferes Sprachempfinden und genügend Erfahrung orthodoxer christlicher Geistigkeit besitzt, unmittelbar einleuchten. Denn ihre Eigentümlichkeit besteht darin, daß sie in Worte faßt, was wesentlich jenseits abstrakter Begrifflichkeit liegt; was aber doch, weil aus dem Ewigen Worte (Joh. I) geboren, Worte der Wahrheit und des ewigen Lebens (Joh. VI, 68) zu reinster Gestalt verdichtet. Sie transzendiert die asketisch geläuterten und kristallinen Begriffe der Heiligen Überlieferung zu lobpreisendem geistdurchwobenem Gesang.

Hierin nun besteht eine ihrer Schwierigkeiten bei der Übertragung. Denn gute deutsche Poesie zieht es vor, in wenigen wohlgefügten Worten viel zu sagen und noch mehr zu bedeuten, indem sie auf vorgewußte Beziehungen rekurriert. Die griechische liturgische Poesie, die in ihren vorchristlichen sakralen Ursprüngen der ältesten deutschen naturgemäß sehr nahestand, kennt zwar auch dieses „im Wink nur anklingen lassen“ des (dem Eingeweihten) Wohlbekannten; aber lieber noch umkreist sie die Dinge, wendet sie hin und her, beleuchtet sie von den unterschiedlichsten Seiten und stellt so Beziehung her – wodurch dann in der Gesamtschau das Wesen umso klarer hervortritt. Nicht umsonst ist der griechische Fachbegriff für den liturgischen Hymnos τροπάριον, was soviel bedeutet wie „das Gedrehte, das hin- und her gewandte“; und es sind oft ganze Reihen solcher „Troparien“ (Kanons, Kondakien, Stichodien), in denen die jeweiligen Inhalte besungen werden, wie einst die Schranken und Tore des heiligen Bezirkes zum Feste mit kunstvoll aus Zweigen, Blumen und Früchten geflochtenen Girlanden umwunden wurden. Gerade die ewigen Dinge, die sich dem bloß rationalen Zugriff ebenso wie einer bloß emotionalen Annäherung gänzlich entziehen, treten in der poetischen, d. h. schöpferischen, gott- und schöpfungsgemäßen Weise umso lichter hervor. Analog finden sich in den Gebeten mitunter ganze Wortketten, etwa in der Anrufung einer der göttlichen Gestalten der Heiligen Dreiheit, oder Reihungen von Epitheta, in welchen die verschiedenen Aspekte des jeweiligen Gegenstandes reflektiert werden. Eine nicht geringe Herausforderung bei der sprachlichen Ausgestaltung dieser Texte im Deutschen liegt nun, um nur dies eine Beispiel zu nennen, darin, solche Reihungen nicht zu ermüdenden synonymen Wörterhaufen zusammenfließen zu lassen, sondern so zu fassen, daß sie tatsächlich als dynamische Folge einander ergänzender Glanzlichter, vergleichbar denen eines facettierten Edelsteines, hervortreten und ihre mystaagogische Wirkung entfalten.

Als Beispiel für den Zusammenhang von Sprache, Anthropologie und Spiritualität diene das nachstehende Gebet aus der Liturgie der vorgeweihten Gaben:

Der Priester betet das Erste Gebet der Gläubigen:

Großer und erhabener Gott /
durch den lebenzeugenden Tod Deines Gesalbten hast Du uns aus der Vergänglichkeit ins ewige Leben gestellt /
befreie all unsere Sinne von leidenzeugender Todesstarre /
und gieb uns den von innen her aufsteigenden Gedanken als guten Führer ein +
Das Auge meide jeden bösen Blick / das Ohr sei taub für hohle Worte /
und die Zunge halte sich von übler Rede unbefleckt +
Entsühne / Herr / die Lippen / die Dich loben sollen /
laß unsere Hände sich jedem bösem Tun verweigern / aber rege wirken / was Dir wohlgefällt +
All unsere Glieder aber / sowie Verstand und Geist / laß in Deiner Gnade fest gegründet sein +214

Hierzu findet sich im Anhang nachstehende Erläuterung:

214  Das Gebet ist sowohl sprachlich wohlgefügt als auch von tiefer Menschenkenntnis und geistiger Erfahrung durchtränkt. Der »lebenzeugende Tod« Christi wird der »leidenzeugenden Todesstarre« des geistig tauben Menschen gegenübergestellt. Es heißt im griechischen Text nicht, wie man zunächst meinen könnte, und wie tatsächlich viele übersetzen: „von todbringenden Leidenschaften“, sondern wirklich: τῆς ἐμπαθοῦς νεκρώσεως, was wortwörtlich als „leidenschaftliches Abgestorbensein“ zu übersetzen wäre. Νέκρωσις als Wort taucht in hellenistischer Zeit auf und bedeutet »Absterben« oder »Erstorbensein«, wie in Röm IV 19 vom Erstorbensein des Leibes Abrahams und Saras die Rede ist. Daneben verwendet Paulus das Wort im Sinne von »Abtötung«. Oft wird es im übertragenen Sinne gebraucht und meint das »Erstorbensein« des Herzens, also geistige Taubheit und mangelnde Lebendigkeit, was sich inhaltlich überschneidet mit πώρωσις »Verstocktheit, Herzenshärte«. Es geht also in dem Gebet um „leidenschaftliche“ i. S. v. zwanghafter und leidenzeugender Abstumpfung oder Abtötung der Wahrnehmungskräfte, was zu einer geistigen Todesstarre und Todesverfallenheit führt. Ursache können geistige Unwissenheit oder Trägheit sein (die in der gefallenen Natur des Menschen gründen), aber auch falsche Vorstellungen, sowie die allfälligen Verstrickungen und Anhaftungen dieser Welt. Daher folgt im Gebet die Aufzählung jener Dinge, die wir meiden und jener, die wir erstreben sollten, um solcher Todesverfallenheit zu entraten, welche – trotz der ein für allemal geschehenen Erlösung – stets noch als Gedankenkraft und Sog der Sünde in uns wirkt.

Dieses Gebet bedient gerade nicht jene weitverbreiteten falschen Vorstellungen von der „Abtötung der Sinne“, sondern zielt im Gegenteil auf ihre Gesundung und Veredelung (vgl. Anm. 74). Erst kraft solcher Wiederherstellung werden sie nämlich überhaupt in die Lage versetzt, die zum geistigen Tode führende Macht der Sünde und der Anhaftungen an Uneigentliches zu entlarven und sich ihr in männlichem Kampfe zu widersetzen. Für ἀκοὴ ἀνεπίβατος „das Gehör [sei] unzugänglich“ bietet sich im Deutschen, auch vom Sprachrhythmus her, der geläufige Ausdruck „das Ohr [sei] taub“ an, zumal in der ganzen Reihung bildhafte Ausdrücke vorherrschen. Zu διάνοια, hier als Doppelbegriff mit seinen beiden treffenden Bedeutungen »Geist« und »Verstand« wiedergegeben, siehe ausführlich Anm. 56.

Die Göttliche Liturgie   ISBN 978 - 3 - 926 236 - 19 - 7

Limitierte Sonderausgabe in Allgäuer Rindsleder, traditionell von Hand gefertigt.
Fadenheftung, fester Einband mit Zierbünden und aufwendiger Goldprägung. Format 14 x 21 cm, 272 Seiten:      € 180,--

Die liturgische Ausgabe in Bibliotheksleinen wird voraussichtlich ab Mai 2018 verfügbar sein,
ebenso die Studienausgabe mit Fadenheftung in englischer Broschur

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DIE GÖTTLICHE LITURGIE
Studienausgabe


Die Göttliche Liturgie
Studienausgabe in englischer Broschur, 14 x 21 cm, 272 Seiten (gleicher Inhalt wie bei der Sonderausgabe):     € 28,--

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